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Kindertagesstätten in Deutschland könnten unterschiedlicher nicht sein. In dem einen gibt es täglich intensive Sprachförderung nach dem Würzburger Programm, im anderen gehen die Kinder täglich eine Stunde in den Wald. Mancherorts spielen die Kinder altersgemischt in einem nach innen geöffneten Haus und anderswo treffen sie sich in altershomogenen Gruppen um gemeinsam das Lernen zu lernen.
Um einen einheitlichen Bildungs- und Qualitätsstandard zu erreichen, haben sich schlaue Menschen Theorien zu Qualitätssicherung, Bildungs- und Erziehungszielen, Richtlinien und Vorschriften zu Räumlichkeiten und Personalschlüssel ausgedacht. Doch trotzdem driften die tatsächlichen Realitäten auseinander. Woran kann das liegen? Spielen finanzielle Vorraussetzungen eine Rolle? Oder sind es mehr die geografischen Bedingungen, politische Vorgeschichte, soziokulturelle oder geschichtliche Hintergründe?
Ja, sicher beeinflussen diese äußeren Faktoren das Gesicht einer Kindertagesstätte. Doch wagte man den Versuch, drei Erzieherinnen in absolut identische Einrichtungen zu stellen, werden sich drei verschiedene Kindergärten daraus entwickeln. Denn die Persönlichkeit der Erzieherin fließt unmittelbar in die Gestaltung des Alltags mit ein.
Eine selbstbewusste, charakterlich gefestigte, vielseitig interessierte und gebildete Erzieherin mit festen sozialen Bindungen wird in einem Kindergarten anders auftreten als eine alleinstehende Frau mit Selbstzweifeln und einem Minimum an Fachwissen. Viele Erzieherinnen erleben diese Unterschiede schon in der eigenen Einrichtung. Insbesondere durch die Alters- und Bildungsdifferenzen von pädagogischem Fach- und Hilfspersonal.
Was bedeutet diese Erkenntnis für die pädagogische Einrichtung?
Auch mit genauen Vorgaben des Trägers, Bundeslandes oder anderen Institutionen weht in jeder Kindergartengruppe der Wind, den die Erzieherin mitbringt. Das hat seine Vorteile. Kinder erleben die Unterschiedlichkeit von Menschen. Sie können sich ihre Sympathien unter dem Personal aussuchen, werden von den Betreuern unterschiedlich wahrgenommen. Doch der Nachteil liegt auf der Hand. Wer kritisiert den persönlichen Stil der Erzieherin, wenn etwas schief geht? Eine dynamisch kraftvolle Stimme hat noch nie geschadet. Eine cholerische, überarbeitete Erzieherin, mit familiären Problemen, die ständig herumschreit, kann die Atmosphäre im Kindergarten vergiften.
Hinzu kommt noch die oft fehlende Harmonie im Kleinteam aber auch im gesamten Team einer Tagesstätte. Verschiedene Charaktere treffen aufeinander. Ohne führende Hand, die positiv auf sie einwirkt, kann das schnell zu Konflikten führen. Zumal zwischen dem überwiegend weiblichen Personal gerne zwischenmenschliche Schwingungen für Ungereimtheiten sorgen, die manchmal zu ernsthaften Störungen ausarten. Natürlich merken die Kinder, wenn die Erzieherin “nicht gut drauf” ist. Sie spüren sofort die Einigkeit zwischen ihren Betreuern. Wird viel gelacht, sich auch mal herzlich berührt oder im Scherz geneckt? Bedarf es ständiger Absprachen oder können die Betreuer sich auch ohne Worte verständigen?
Erzieherinnen brauchen Unterstützung bei der Festigung ihrer Persönlichkeit. Sie benötigen Hilfe dabei, sich in ihrer Rolle als Erzieherin wohl zu fühlen und das auch zu repräsentieren. Eine Tagesstättenleitung kann das nicht alleine leisten.
Eine von vielen Seiten angestrebte Professionalisierung, auch in einem speziellem Hochschulstudiengang, kann nicht ausreichen. Mehr Fachwissen, ein solides Fundament an Fähigkeiten, Fertigkeiten und praktischen Techniken ist sicher anzustreben. Doch ausschließlich Fachwissen anzuhäufen kann nicht das Ziel sein. Erzieherinnen benötigen eine mentale Unterstützung bei der Findung ihres Rollenbildes und ihres Selbstverständnisses.
Supervision schon in der Ausbildung wäre eine Lösung. Regelmäßig und ausdauernd. Das bedeutet, Menschen, die sich entscheiden Erzieherin (oder Kinderpflegerin) zu werden, kommen nicht darum herum, sich ein Stück weit zu öffnen und an sich zu arbeiten. Nur so sind sie im Stande, später ihr Handeln zu reflektieren und sich weiter zu entwickeln.
Jede pädagogische Einrichtung muss die Möglichkeit zur Supervision in der Gruppe wie auch in Einzelgesprächen erhalten und nutzen. So können Persönlichkeiten gestützt und ausgeprägt werden. Probleme werden in der Wurzel behandelt und Teamkonflikte entstehen erst gar nicht. Durch die Gewöhnung an die Supervision schon in der Ausbildung verlieren die Mitarbeiter die Scheu davor, sich anderen gegenüber zu öffnen und ihr Verhalten zu reflektieren. Kritikfähigkeit, Ehrlichkeit und echte Teamarbeit sind nur ein paar der Säulen auf denen die Festung “Erzieherin” steht. Mit der Ausbildung der eigenen Persönlichkeit, des Charakters, können diese Säulen gestärkt werden und in Zeiten von enormen Druck durch politische Reformen, zu großen Gruppenstärken und zu niedrigem Gehalt muss nicht allein der Idealismus reichen, um eine guten Erzieherin zu sein.
“Kreativ mit Kleinkindern
....Kinder im Alter von etwa 10 bis 24 Monaten erleben ihre Umwelt mit
allen Sinnen. Sie wollen begreifen, was ihnen die Welt zu bieten hat….”